In den Jahren 1978 – ’87 war der Mittelpunkt in Elfi Knoche-Wendels künstlerischer Tätigkeit die Auseinandersetzung mit großformatigen textilen Wandgestaltungen, in denen schwarzes Material bereits eine große Rolle spielte.
Die Berufung an die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz 1987 und der damit einher gehende Zeitmangel zwang Knoche-Wendel (Jahrgang 1943) zur Erforschung anderer Ausdrucksmittel. Papier wurde das Mittel; zum einen als Träger der Graphitarbeiten und zum anderen als eigenständiges Medium.
Seit 1995 entstanden vier Werkgruppen – nur in schwarz oder nur in weiß oder in Überlagerungen. Die erste Werkgruppe bestand aus Arbeiten, die ausschließlich mit Graphitstiften oder -pasten hergestellt wurden. Die formale Grundlage ist hier das Quadrat, gegliedert durch weiße Linien. Das in verschiedene Richtungen aufgetragene Grafit erscheint, durch die unterschiedliche Aufnahme des Lichts, mal metallisch-grau und mal schwarz. Anklänge an architektonische Formen sind zu erkennen. Einzelne geometrische Formen treten aus dem monochromen Hintergrund hervor und die minimalen Verschiebungen erzeugen den Eindruck von Tiefe und Bewegung.
Die zweite Werkgruppe lässt noch das Quadrat oder das rechteckige Grundelement erkennen, wird aber gleichfalls überlagert oder durchdrungen von Schnitten (sogenannten cuttings) auf weißer Fläche. Die Werke erscheinen als 3dimensionale, tastbare, lichtaufnehmende Reliefs.
Die dritte Werkgruppe zeigt geometrische Rasterreliefs in schwarz oder weiß, die – je nach
Größe und Schnittlänge – „bewegte“ Oberflächen entstehen lassen. Die Künstlerin ersetze bzw. ergänzte die Graphitfarbe bzw. -paste durch Ruß. Sie erzielte so ein tieferes mattes schwarz. Die Reflektion von Licht war von nun an zweitrangig. In den Vordergrund rückte die Auseinandersetzung mit Licht und Schatten auf der Bildoberfläche, entstanden durch die cuttings.
In der vierten Werkgruppe setzt sich Knoche-Wendel mit der Darstellung von spiralförmigen
Körpern und Kreisformen auseinander, einzeln oder in Gruppen, durch die cuttings eine bewegte Oberfläche entstehen lassen. Durch Licht und Schatten und den jeweiligen Standpunkt des Betrachters ergeben sich neue und andere interessante Ansichten.